A Look Inside the Think Tank...

Grenoble ist mehr ein Weltteil als eine Stadt.

Created on and categorized as France.
Written by Thomas Steiner.

Der Titel dieses Blog-Eintrags ist (gebe ich freim?tig zu) geklaut: Jean Paul Friedrich Richter sagte dies einst ?ber Berlin. Umso mehr trifft die Aussage aber auf Grenoble zu. Zumindest, wenn man dem Tourismusb?ro Glauben schenkt:

S?dliches Flair am Fu?e eisbewehrter Alpengipfel
Stendhal hat hier geschrieben, Berlioz komponiert, Steiner studiert und Jongkind gemalt. Grenoble, die Stadt mit dem s?dlichen Flair inmitten der Alpen, hat schon immer fasziniert und Menschen angelockt, nicht erst seit den Olympischen Winterspielen 1968.

Soviel dazu. In der Tat haben die Olympischen Spiele die Stadt gepr?gt. Mit einem unglaublichen Bauboom und inzwischen vielen Bauleichen. Nicht zu vergessen die unglaublichen Hochh?user (die Franzosen sagen schlicht "les tours" dazu).

Man kann eine neue Stadt am besten erfahren, indem man sie durchl?uft. Und genau das habe ich getan. Ziemlich oft sogar. Vorzugsweise nachts, wenn der letzte Bus schon l?ngst gefahren ist. Das ist hier um 20:19 Uhr (zwanzig Uhr neunzehn). Wow, Grenoble, oh du Drehkreuz der Alpen. Aber so schlimm ist das nicht. Auf dem Heimweg gibt es n?mlich einen freundlichen Araber, der einem auch um weit nach Mitternacht mit einem Dosenbier und dem frommen Wunsch "bonne soir?e" zur Seite steht.

Allgemein ist Grenoble eine sehr ehrliche Stadt: Man sieht, was man atmet. Durch die Kessellage mitten in den Bergen (Grenoble selbst liegt auf 240m, die Berge rundrum sind 1000er bis 3000er) bleibt die schlechte Luft gern mal auf eine Tasse Kaffee l?nger. Aber Gott sei Dank kann man ja auf die Berge gehen, die sind n?mlich rund rum immer in Busweite.

Nicht zuletzt, was w?re Grenoble ohne seine "bulles"? Das sind nicht etwa Bullen (le flic, umgangssprachlich f?r Polizist), sondern eine kleine Seilbahn, die auf die wunderbar ?ber der Stadt gelegene Bastille f?hrt. Von der Bastille runter hat man einen gigantischen Blick ?ber die Stadt und ins umliegende Gebirge, wenn es besonders klar ist, kann man bis zum Mont Blanc sehen.

Durch Grenoble flie?t die Is?re und teilt die Stadt in zwei ungleiche H?lften. Auf dem einen Flussufer die Altstadt und die h?sslichen banlieues (yeah, da wohne ich). Auf der anderen Flussseite ist das italienische Viertel mit Unmengen kleinen (nat?rlich allesamt seit 30 Generationen sich in original-italienischer Hand befindlichen) Pizzerien. Nichtsdestotrotz hat es seinen ganz eigenen Charme, und Pizza schmeckt auch vom franz?sischen Pizzab?cker. Anders als z.B. der Rhein, darf die Is?re ungeb?ndigt durch Grenoble flie?en, die Is?reschleifen von oben sehen beeindruckend aus.